09.06.2004 RSS Feed

Die Schlachter lassen die Muskeln spielen – wo bleibt die ISN? Kommentar von Bernhard Bonekamp, ISN-Vorstand

Kaum hatte das Kartellamt die Fusion von Dumeco, Moksel und NFZ unter dem Dach der Bestmeat genehmigt, lässt der Konzern schon seine Muskeln spielen:

An einem Donnerstag vor vier Wochen begann das Kräftemessen. Unmittelbar vor der Telefonkonferenz der Nordwestrunde der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften gab die Bestmeat einen eigenen Hauspreis heraus. Dieser reine Schlachterpreis wurde ohne wenn und aber ab Freitag für eine Woche gezahlt! Die Meinung der grünen Seite hierzu war egal. Es ist nur allzu verständlich, dass andere Schlachtunternehmen gerne auf diesen Zug aufspringen und diese unter dem Marktgleichgewicht liegende Preisvorgabe wiederum als eigenen Hauspreis nutzen.

Dies hat aktuell in Deutschland dazu geführt, das man in der Preisentwicklung in Europa zurzeit dem Marktgeschehen hinterherläuft und wir nicht mehr wie früher Motor der Preisentwicklung in Europa sind. Gerade das macht deutlich, dass man eine flexible und zeitnahe Abbildung der Marktverhältnisse braucht – und dazu bedarf es eben einer mehrmaligen Preisfeststellung je Woche.

Dazukommen soll jetzt auch noch ein Maskendiktat mit einem verstärkten Maskenschlupf. Die Verkürzung des Zahlungsziels auf eine Woche ist wahrlich der einzige Lichtblick dieses neuen Nordfleisch-Einkaufskonzeptes.

Was können die Bauern und die ISN tun?

Die ISN kann ebenso – wie die Erzeugergemeinschaften - am Markt erzielbare Preise nennen. Wir brauchen Abnehmer die – ob lang- oder kurzfristig – dem Marktgleichgewicht entsprechende, höhere Preise zahlen können. Dafür müssen diese Abnehmer dann auch kurzfristig mit größeren Mengen Schweine versorgt werden zu Lasten der Großen, die unbeweglicher sind.

Das war und ist die Geschäftspolitik der ISW und der Internet–Schweinebörse. Beide zahlen innerhalb weniger Tage und wenden nach wie vor die Euro-Referenzmaske an.

Gerade die Internet–Schweinebörse ist durch die Auktion am Mittwoch in der Lage eine Preissignal – auch für die Bestmeat-Gruppe - zu setzen. Schweine sind umgehend ein bis sieben Tage nach Auktion lieferbar. Freie Viehhändler wollen diese Börse verstärkt nutzen, um ein Gegengewicht zur Schlachterkonzentration zu bilden. Helfen auch Sie, durch das Liefern Ihrer Schweine, die Willkür der Schlachter zu unterlaufen! Jeder einzelne Schweinehalter ist gefordert.

Wird es langfristig besser zahlende Schlachtbetriebe geben, die dabei überleben können?

Der Käufer und Kapitalgeber der Bestmeat – die Sobel Gruppe – ist eine Organisation holländischer Bauern. Diese haben ihr Geld aber nicht mit Schlachthöfen verdient. Im Gegenteil: das Geld stammt aus der Entsorgungsbranche. Mit dem so verdienten Geld haben diese drei Schlachtkonzerne gekauft, die Finanzprobleme hatten und daher zum Verkauf standen.

Der Chef des kleinsten Unternehmens – Dr. Uwe Tillmann von Moksel - bekam das Sagen. Auf der ISN-Strategietagung im März dieses Jahres hatte er noch hoffnungsvoll angekündigt, mehr Spanne in Richtung Verbraucher zu machen. Offensichtlich gelingt ihm das nicht: Die Spanne wird jetzt mit den altbewährten und bekannten Spielchen – Maskenänderungen und Hauspreisen - Richtung Bauern erweitert. An Ihren Taten sollt Ihr sie erkennen.

Geschick muss man den Managern der Bestmeat-Gruppe zweifelsfrei bescheinigen. Es gelingt den Handelnden, doch den ein oder anderen zu umgarnen und für sich zu gewinnen bzw. zu vereinnahmen. So ist der Präsident des Niedersächsischen Landvolks Werner Hilse erst kürzlich zum Aufsichtratsvorsitzenden der Nordfleisch gewählt worden. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat allerdings gemäß Aktiengesetz die Pflicht, die Geschäftsführung zu überwachen und dafür zu sorgen, dass die Gesellschaft profitabel ist. Dafür wird er bezahlt. Er hat die Interessen der Aktionäre, d.h. des Geldgebers Bestmeat, zu wahren und eben nicht die Interessen der Lieferanten, der Bauern. Der Segen liegt wohl doch im Einkauf. Ein Interessenkonflikt?

Die Spannenerweiterung wird allerdings bei richtigem Verhalten der Bauern scheitern, weil die Schweine zu den besseren Schlachtbetrieben wandern werden. Die Bestmeat ist zwar der größte Abnehmer in Deutschland. Mit 17 % Marktanteil ist das Unternehmen von der Marktbeherrschung jedoch weit entfernt.

Werden die eigentlichen Probleme im Konzern der Bestmeat überhaupt angegangen?

Diese Probleme sind zu hohe, nicht ausgelastete Schlachtkapazitäten, zu hohe Stückkosten sowie zu hohe Personalkosten. Noch ist das Kapital vorhanden, um die Strukturen im Konzern grundlegend zu ändern. Ein Ausdehnen der Spanne auf Kosten der Bauern, um allen Betrieben des Konzerns ein Überleben zu sichern, werden die ISN und der Wettbewerb langfristig nicht zulassen.
Aufgabe der ISN ist es, aufzuzeigen, wo Alternativen liegen. Und nicht nur deshalb hat die ISN den neuen deutschen Schweinepreisvergleich initiiert. Denn nur wer weiß, was am Markt läuft, kann auch richtig entscheiden. Transparenz ist Trumpf.

Die gesunde Konkurrenz muss von den Schweinehaltern gefördert werden, indem diese auch die Schweine erhält. Oft ist ein kleiner Kreuzer eben doch wendiger und schlagkräftiger, als so manches große Schlachtschiff.

Dies ist die Antwort der unternehmerischen Bauern der ISN.


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