27.09.2004 RSS Feed

"Der Schweinepreis oder die Mär von einer fairen Partnerschaft" - Kommentar von ISN-Geschäftsführer Detlef Breuer

Breuerbalkon Der Holländische Ikarus steigt am heutigen Tage mit der Übernahme der Hendrix Meat Group immer höher gen Schweinehalterhimmel. Die Bestmeat festigt unter Europas Big Players mit insgesamt 16,6 Mio. geschlachteten Schweinen ihren zweiten Platz, knapp hinter Danish Crown mit 20,5 Mio. Schweinen.

Die Bestmeat erreicht jetzt einem Anteil von 8 % am europäischen Schlachtschweinemarkt, in den Niederlanden sogar einem Marktanteil von gut zwei Dritteln. Von den 8,9 Mio. Bestmeat-Schweinen schlachten dort die Dumeco 6,5 Mio. und Hendrix. 2,4 Mio. Angesichts dieser marktbeherrschenden Stellung haben die holländischen Schweinehalter ihre Flaggen schon auf Halbmast gehisst und Kerzen in die Fenster gestellt.

Doch auch die deutschen Schweinehalter haben bisher nicht nur gute Erfahrungen mit dem Multi-Kulti aus dem westlichen Ausland gemacht, der in Deutschland mit 7,7 Mio geschlachteten Schweinen bzw. 17,4 % Marktanteil unangefochten die Nummer Eins ist. Bereits am Donnerstag der letzten Woche war der Preisrückgang nicht gerade klein ausgefallen. Und am heutigen Montag müssen die Auszahlungspreise erneut korrigiert werden. Ursache für diese Situation ist ein einheitlicher Hauspreis der Unternehmen Bestmeat und Tönnies, die ihre Marktmacht am Schlachtschweinemarkt derzeit auf Kosten der Erzeuger missbrauchen.

In den vergangenen Wochen hatte sich die Erzeugerseite bei der Preisfindung überaus maßvoll gezeigt und so den Schlachtbetrieben eine Margenausweitung ermöglicht. Dennoch wird die aktuelle Marktsituation von diesen Schlachtbetrieben jetzt rigoros und ohne wenn und aber ausgenutzt: die Erzeugerpreise werden unangemessen unter Druck gesetzt.

Den Teilnehmern der ISN-Strategietagung im März dieses Jahres klingen die Worte vom Vorstandsvorsitzenden der Bestmeat Company Dr. Uwe Tillmann noch in den Ohren. Es war sehr viel von Partnerschaft und Kette die Rede. Billigpreise seien nicht das Ziel der Bestmeat, sondern Top-Qualität zu angemessenen Preisen. Offensichtlich hat der ein oder andere auch die Aussage Bestmeat – ein starker Partner für die Zukunft wohl missverstanden oder fehlinterpretiert; denn Stärke zeigt man jetzt insbesondere bei der Einkaufspreisgestaltung.

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Mit einem derartigen Vorgehen wird eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Schlachtbetrieben jedenfalls nicht gerade gefördert. Verlässliche Partnerschaften, wie Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter von Tönnies Fleisch bei der ISN-Strategietagung sagte, sehen anders aus. Ehrlichkeit und Vertrauen sind nach unserer Auffassung die Grundvoraussetzung für eine gesicherte Vermarktung von Schweinefleisch, zeigte sich Firmenchef Clemens Tönnies überzeugt.

Nur eben dieses Vertrauen hat in den letzten Tagen enorm gelitten. König Midas gleich, der alles, was er anfasste letztendlich zu Gold machte, prosperiert Deutschlands größtes privates Schlachtunternehmen. Immerhin erreicht das Unternehmen Tönnies mit 5,2 Mio. geschlachteten Schweinen einen Marktanteil in Höhe von 12 % in Deutschland.

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Die zwei Market-Makers in Deutschland werden sich keinen Gefallen tun, wenn Sie Ihre Marktmacht – ja auf den ersten Blick ihre scheinbare Überlegenheit - auf diese Art und Weise demonstrieren. Business as usual. Von einer entsprechenden Positionierung gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel ist nichts, aber auch gar nichts zu sehen oder zu hören. Vielmehr macht man so weiter wie bisher und übt den größten Druck aufs schwächste Glied der Kette, die Schweinehalter aus.

Viel versprochen, nichts gehalten.

Während Ikarus seinerzeit der Sonne zu nah kam und abstürzte, gelang es König Midas, letztendlich doch noch mit einem blauen Auge davon zu kommen. Mal sehen, ob sich die Antike wiederholt.

Die Strukturprobleme der Schlachtindustrie dürfen nicht noch länger auf dem Rücken der Landwirte gelöst werden. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit muß einen wirtschaftlich messbaren, monetären Nutzen für beide Seiten bringen. Tut sie das nicht, muß man erkennen, daß es eben der falsche Partner ist und man sich einen neuen suchen muß. So funktioniert der Markt, zu dem sich wirtschaftlich erfolgreiche Schweinehalter bekennen. Die Schweinehalter dürfen nicht als willfährige Rohstofflieferanten missbraucht werden, die man beim Preis beliebig drücken kann. Der Ton macht die Musik.

Der fortschreitende Konzentrationsprozeß in der Schlachtindustrie stellt die deutschen Schweinehalter - und zwar nicht erst seit der Übernahme von Barfuss durch die Westfleisch - nun vor eine ernsthafte Bewährungsprobe. Die deutschen Schweinehalter, die auch morgen noch frei am Markt agieren wollen, sind jetzt gefordert. Will man dem Schlachtoligopol ein gleichwertiger Partner sein, so müssen die Schweine-Bauern fernab persönlicher Animositäten und Befindlichkeiten zu einer Einheit finden, zu einem strategischen Ansatz, der die Zukunft sichert.



Die Sage von König Midas

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