Deckname „Schweinegrippe“ - oder: Die neuen Leiden des „Armen Schweins“ - Kommentar von Heinrich Dierkes, ISN-Vorsitzender
Ein neues Gespenst geht weltweit um: unter dem Decknamen Schweinegrippe
grassiert seit einigen Tagen eine neue Grippewelle, die in Mexiko startete und inzwischen auch Europa erreicht hat. In Mexiko wurden 26 Todesfälle bestätigt. Deutschland hat seine ersten 3 Fälle. All dies ist schlimm genug.
Hinzu kommt eine Tatsache, die besonders die Schweinehalter sehr ärgerlich stimmt: Der Name der Krankheit: Schweinegrippe
. Uns ist unerklärlich, wie es zu dieser irreführenden Bezeichnung kommen konnte. Obwohl in fachlichen Veröffentlichungen des Robert-Koch-Institutes und des Friedrich-Löffler-Institutes betont wird, dass hinsichtlich des Ursprungs der Krankheit kein Bezug zu Schweinen besteht und das Virus bei Schweinen bislang nicht nachgewiesen wurde. Dennoch nutzen selbst diese Experten den Terminus und in den Medien laufen alle Schlagzeilen unter dem Begriff Schweinegrippe
. Das Problem liegt wohl darin, daß die WTO – wohl auch um das Schwellenland Mexiko zu schützen - , denn Influenzen werden i.d.R. nach deren Ursprungsland benannt, im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch und im Internet überwiegend von der Svine-flu
geschrieben wird. Und hier hat sich schlichtweg ein Übersetzungsfehler eingeschlichen. Ryanair-Gründer Michael O'Leary spricht von der Slum-Disease
, da es überwiegend die sozial Schwachen träfe, was ebenso eine unglückliche Begriffsdefinition ist.
Der Schaden ist schon da: Die chinesische Regierung untersagte die Einfuhr von Schweinefleisch aus Mexiko oder den US-Staaten Texas, Kansas und Kalifornien stammen. Russland verbot ebenfalls die Einfuhr. Der Verband der US-Fleischexporteure nannte außerdem die Philippinen und Kasachstan die die Einfuhr einschränkten.
Wer weiß, was folgt, wenn sich die Fälle in Europa häufen?
Zu Unrecht lassen womöglich wieder verängstigte Verbraucher das Schweinefleisch in den Regalen liegen. Die Kurse an der Warenterminbörse sind deutlich eingebrochen. Schon fragen sich erste Schweinehalter besorgt, ob das das Ende der Schweinehaltung in Deutschland sei?! Und das obwohl eindeutig kein Grippevirus durch den normalen
Fleischverzehr übertragen werden kann. Zwar ist es rein theoretisch möglich, sich über das Fleisch anzustecken: wenn man kurz zuvor darauf genießt hat. Aber auf demselben Wege kann man sich dann auch über eine Banane anstecken.
Wie konnte es soweit kommen?
Offensichtlich befinden wir uns momentan in einem gewissen Fatalismus. Das Problem ist der leichtfertige, öffentliche Umgang mit Begriffen in der Berichterstattung. Selbst seriöse Medien sprechen unbeirrt vor von der Schweinegrippe
. Die Krönung der Schlampigkeit
waren zwei Beiträge des Wall-Street Journal
und Focus-Money
in der die Angst vor der Schweinepest-Pandemie
umging. Nach so einem groben Fehler mussten sich sogar diese Magazine korrigieren. Wenig später hieß es: In der um 15.12 Uhr gesendeten Meldung
Wall Street sehr schwach erwartet - Angstfaktor
Schweinepest muss es in der Überschrift und im ersten Satz jeweils Schweinegrippe und NICHT Schweinepest heißen. Es folgt die korrigierte Fassung.
Inzwischen ist wohl angekommen, dass das alles nicht so ganz korrekt ist. Es herrscht eine regelrechte Verwirrung um die Bezeichnung der Grippe. Von Mexiko-Grippe
, über Neue Grippe
bis hin zur Nord-Amerika-Grippe
werden verschiedene Varianten diskutiert. Aber bis man soweit ist, bleibt man halt erstmal bei der Schweinegrippe
und belastet den ohnehin schon unter Druck stehenden Schweinefleischmarkt.
Wenn Unkenntnis auf Fahrlässigkeit trifft kommt nichts Gutes dabei raus. Es wird Zeit, dass die Experten
Ihre Hausaufgaben machen.
Zur Homepage des Robert-Koch-Institutes










Mexikanische Grippe
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