
Handelsketten verlangen in zunehmendem Maße Dokumentation und Kennzeichnung der Umwelt- und Klimaschutzaspekte von Produkten. Das berichtet die Danish. Dabei stehen vor allem Treibhausgase und die globale Erwärmung im Vordergrund. Von den in angelsächsischen Ländern gebräuchlichen Begriffen "food miles" und "carbon footprint" hat nur der letztere relevante Aussagekraft, wie die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Aarhus anhand einer Ökobilanz für dänisches, niederländisches und britisches Schweinefleisch nachweisen konnte.
Die auf immer mehr Produkten zu findende Food-Miles-Angabe (g CO2) bezieht sich auf die beim Transport der Lebensmittel vom Erzeuger zum Konsumenten entstehenden Treibhausgas-Emissionen.
Beim Carbon Footprint handelt es sich dagegen um die im gesamten Lebenszyklus vom Produkt verursachten Treibhausgas-Emissionen. Dieser Begriff umfasst also die gesamte Wertschöpfungskette plus (im Idealfall) Konsum und Entsorgung. Um diesen Wert bestimmen zu können, ist für das betreffende Produkt eine Ökobilanz bzw. Lebenszyklusbewertung (Life Cycle Assessment - LCA) aufzustellen. Als einheitliche Bemessungsgrundlage für die Umweltbelastung dienen CO2-Äquivalente, d.h. CO2 und andere an der globalen Erwärmung beteiligte Treibhausgase.
Im Auftrag der Danish Meat Association hat die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Aarhus eine Lebenszyklusbewertung für Schweinefleisch aus Dänemark, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich vorgenommen. Mit dem Ziel, für die drei wichtigsten Anbieterländer auf dem britischen Markt die mit einem Kilo Schweinefleisch in der gesamten Produktionskette verbundenen Treibhausgas-Emissionen zu ermitteln - vom Futtermittel bis zum Fleischversand bzw. für dänische und niederländische Produkte dem Eintreffen des Fleisches im Einfuhrhafen.
In die Berechnung der Treibhausgas-Menge wurde also z.B. der Sojabohnen-Anbau in Argentinien ebenso einbezogen wie die Futtermittelproduktion in Dänemark sowie die gesamte Schweineproduktionskette einschließlich Düngerausbringung, die Schlachtung und der Fleischversand. Durch Addieren aller Emissionswerte erhält man zum Schluss einen realistischen Wert für die Treibhausgas-Emissionen pro Kilo Schweinefleisch.
Die Schwerpunkte der Umweltbeeinträchtigung liegen der Lebenszyklusbewertung zufolge in den Produktionsphasen vor der Lieferung der Tiere an den Schlachthof. So fallen die größten Treibhausgasmengen im Futtermittelanbau sowie bei der Lagerung und Handhabung von Tierdünger an, während der Fleischversand (bis Hafen Harwich) weniger als 1 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in der gesamten Produktionskette ausmacht.
Gemäß Lebenszyklusbewertung trägt 1 kg Schweinefleisch mit 3,6 kg CO2-Äquivalenten zur globalen Erwärmung bei. Zum Vergleich: Ersetzt man eine normale 60-Watt-Lampe durch eine Energiesparlampe, ergibt sich für Kohlestrom und eine tägliche Brennzeit von 1 Stunde eine jährliche Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um etwa 13 kg.
Für den Transport (per Lkw) nach München oder (per Schiff) nach Tokio erhöht sich der Wert lediglich auf 3,7 bzw. 3,8 kg CO2-Äquivalente pro kg Schweinefleisch. Dieser minimale Einfluss des Transportaufwands verdeutlicht, dass die Food-Miles-Angabe keineswegs als relevanter Umwelt- bzw. Klimaschutzfaktor zu betrachten ist.
Vergleicht man die Treibhausgas-Emissionen aus der Produktion von dänischem, niederländischem und britischem Schweinefleisch für den britischen Markt, ergeben sich trotz des relativ hohen Transportaufwands dänischer Fleischlieferanten keine nennenswerten Unterschiede.