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07.01.2010

Das Schnitzel kein Klimasünder! - Gastkommentar von georg Mayringer, Geschäftsführer des VÖS

Georg Mayringer

Georg Mayringer

Die Konferenz in Kopenhagen hat das Weltklima und die zu erwartende Klimaveränderung wieder stark in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gestellt. Gerade die Landwirtschaft ist von Klimaänderungen massiv betroffen und hat selbst höchstes Interesse, dass alles unternommen wird um den Klimawandel möglichst gering zu halten. Dabei ist die Land- und Forstwirtschaft auch die einzige Branche, die durch den Anbau von Pflanzen aktiv CO2 bindet! Umso ärgerlicher ist es, wenn dann von manchen versucht wird, die Landwirtschaft und insbesondere die Fleischbranche an den Pranger zu stellen. Auch ein Beitrag im Kurier hat gezeigt, dass es absolut ungerechtfertigt ist, das Schnitzel als Klimasünder abzustrafen!

 

Wer ist schuld?

Die ‚Experten‘ finden jeden Tag einen neuen Hauptverantwortlichen für die angeblich nahende Klimakatastrophe. ‚Hausbesitzer gegen Großstadtbewohner‘ – ‚Norden gegen Süden‘ – ‚Vegetarier gegen Fleischfresser‘ – ‚Arm gegen Reich‘ usw. In diesem Szenario ist es wirklich schwierig herauszufinden, wem man noch glauben kann und welche Maßnahmen tatsächlich Verbesserungen bewirken. Es entsteht jedenfalls häufig der Eindruck, dass Ideologie vor Sachlichkeit gestellt wird. Faktum ist, dass wir in Österreich heute die Kioto-Ziele in der Landwirtschaft oder in der Abfallwirtschaft erreichen. Nicht erreicht werden sie bei der Raumwärme, bei der Industrie und vor allem beim Verkehr, wo die Emissionen sogar um 75 Prozent gestiegen sind.

Potential Wohnen

Wie schon angedeutet, gibt es Kritiker, die ländliche Zersiedelung als massiv klimaschädigend ansehen. „Einfamilienhausbesitzer sind in Bezug auf die Ökologie die größten Sünder - nur darüber wird kaum geredet", gibt etwa Klaus Baumgartner in einem Kurier Interview zu bedenken. Der in Österreich wie auch im Ausland aktive Architekt listet den Ressourcen-Verbrauch an Land und die Infrastrukturkosten der Allgemeinheit (Straßen, Strom, Wasser, Kanal) auf. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr zahlt sich nicht aus, also brauchen alle ein eigenes Auto. "Und selbst bei bester Dämmung sind die Heizkosten im Verhältnis der Hüllfläche zur Grundfläche enorm."

Ob jedoch der Lebensstil in Ballungszentren wirklich umweltfreundlicher ist, wage ich zu bezweifeln. Unbestritten ist aber von allen Experten, dass gerade beim Wohnen enormes Einsparungspotential gibt. Wärmedämmung, Energiesparlampen, Standbymodus bei Fernseher, Computer und Stereoanlage, beziehungsweise die Geräte überhaupt vom Netz trennen, wenn sie nicht gebraucht werden, sind nur einige Beispiele dafür.

Verkehr - Gleiten statt Hetzen

Heute ist der Sprit-Verbrauch eines Autos durchaus ein Kaufkriterium. Dabei ist der Emissionswert etwa bei der ÖAMTC-Zeitung Autotouring erst seit März 2007 fixer Bestandteil der Autotests. In österreichischen Kfz-Zulassungsscheinen findet sich der CO2-Verbrauch seit gut 15 Jahren.

Der Verkehrsclub bietet übrigens halbtägige Spritsparkurse an, die allerdings noch wenig gefragt sind. Im Vorjahr waren es gut 500 Pkw-Fahrer, die lernen wollten, wie sie durch den richtigen Reifendruck, unnötigen Ballast und die richtige Fahrtechnik zehn bis 25 Prozent Sprit und damit ein Viertel des CO2-Ausstoßes einsparen können! ÖAMTC-Seminare zur Fahrsicherheit besuchten 128.000 Menschen.

Sündenbock Schnitzel

Und das in der CO2-Diskussion viel zitierte Schnitzel? Wie fällt die Bilanz im Vergleich mit einem Auto aus? Aus einem Kilogramm Fleisch lassen sich (je nach Größe) vier bis fünf Schnitzel schneiden, und die schlagen zusammen mit zwei bis drei Kilogramm CO2 zu Buche. Im Vorjahr kamen die Österreicher auf einen Pro-Kopf-Verzehr von 39,7 Kilogramm Schweinefleisch. Nach Adam Riese sind das 119,1 kg CO2.

Diese Menge Schadstoff spart ein typischer Pendler, wenn er sich an ungefähr 60 Tagen an die Höchstgeschwindigkeit hält. Wer konsequent bei längeren Rot-Phasen (ab 20 Sekunden) den Motor abstellt, erzielt ein Minus von 140 kg CO2 im Jahr.

Umweltsünder Luftfahrt

Abgesehen vom Autoverkehr gibt es noch einen weiteren großen CO2 Verursacher – die Luftfahrt. Wer einmal von Wien nach New York und zurück fliegt, verbraucht 4520 kg CO2 (laut www.atmosfair.de) Das entspricht 1510 Kilogramm Schweinefleisch. Das ist die Menge, die ein Österreicher in 38 Jahren verspeist (laut Pro-Kopf-Verbrauch 2008). Ein Flug nach Ägypten verursacht soviel CO2 wie rund 600kg Schweinefleisch. Dies entspricht dem Schweinefleischverzehr eines Österreichers in 15 Jahren.

 

Verschwendung schadet dem Klima

Ebenso drastisch sind die Auswirkungen unserer Wegwerfgesellschaft auf die Umwelt. Jährlich wandern in Österreich mehr als 160.000 Tonnen verpackte und vollständig unversehrte Lebensmittel im Mülleimer. Dies entspricht einem CO2 Ausstoß den rund 200.000 PKW durchschnittlich in einem Jahr verursachen. Durch den sorgfältigeren Umgang mit Lebensmitteln ließe sich hier einiges vermeiden.

 

Die aufgezeigten Beispiele sollen verdeutlichen, dass Schweinefleisch zu Unrecht als Klimasünder angeprangert wird. Es ist schon sehr seltsam, wenn hier von manchen versucht wird wertvolle Lebensmittel und damit Nahrungs- und Lebensgrundlage madig zu machen. Offenbar dürften hier Ideologien vor Sachlichkeit und Hausverstand gestellt werden. Wir werden also gefordert sein den Konsumenten den Wert unserer Lebensmittel noch deutlicher zu vermitteln. Denn gefüllte Teller sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis harter Arbeit der Bauern.

 


 


Mit einfachen Maßnahmen lässt sich leicht CO2 einsparen:
-1.000 Kilometer weniger Auto fahren/Jahr: 250 kg CO2
- 5 Energiesparlampen (11 Watt) an Stelle von 60-Watt-Glühbirnen: 100 kg CO2
Fenster und Türen richtig abdichten sowie stoßlüften: 150 kg CO2
Kein Standby-Betrieb von Geräten: 100 kg CO2

 

 

 

 


Ein CO2 Vergleich

1 Flug nach Ägypten (hin und zurück)…

… entspricht dem CO2 Ausstoß von:
5000 km mit SUV
10.000 km mit Kleinwagen
40.000 km mit Zug
10 Jahre Kochen auf E-Herd
100 kg Rindfleisch
600 kg Schweinefleisch (Verzehr in 15 Jahren!)
1.800 kg Brot

 

 

 

 


CO2 im Alltag - wo kann man sparen
saisonale, regionale Produkte kaufen: 200 kg CO2 Verpackung, Transport und Kühlung kostet viel Energie
Hundefutter mit weniger Fleisch: 220 kg CO2
Waschen mit max. 60 Grad: 330 kg CO2 Meist reichen Temperaturen von 30 bis 40 Grad
Heizung in der Nacht auf 15/16 Grad: 600 kg CO2

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