"Brauchen wir die ZMP? oder das Märchen vom Tischlein deck Dich" - Kommentar von Ulrich Kirschner, ISN-Vorstandsmitglied
Die Änderungen zum Absatzfondsgesetz und Holzabsatzfondsgesetz hat Bundespräsident Horst Köhler mittlerweile unterschrieben, und beide werden demnächst in Kraft treten. Eine Einschätzung hierzu hat die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) als eine der beiden Durchführungsgesellschaften des Absatzsfonds jetzt in einer Pressemeldung kundgetan. So seien die finanziellen Sorgen des Unternehmens noch nicht vom Tisch, da nach wie vor eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ausstehe. In diesem Zusammenhang sei in der Agrarbranche auch die Frage nach der Notwendigkeit der Marktbeobachtung und Marktberichterstattung durch die ZMP gestellt worden, so Ralf Goessler, Geschäftsführer der ZMP. Hierzu sagte er:
Agrarmärkte funktionieren anders als andere Märkte – darum bedarf es der ZMP!.
Ist das wirklich so? Die vermeintliche Besonderheit der landwirtschaftlichen Märkte durch das Witterungsrisiko, den Politikeinfluss, etc. gegenüber anderen Märkten ist ein Argument aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Damals suchte die Politik unter anderem Gründe für das Erstellen des alljährlichen Agrarberichts der Bundesregierung. Damals glaubte man diese Argumentation tatsächlich, aber heute ist sie längst überholt. Das lernten die Studenten und Studentinnen der Agrarökonomie bereits vor über 20 Jahren an der Uni!
Weiter stellte Goessler fest, dass es die Aufgabe der ZMP sei, die
komplexe Marktsituation zu erfassen und zu kommentieren. Wir sagen ja nicht, dass es einfach ist, die Geschehnisse an den Agrarmärkten zu analysieren, aber das die ZMP die einzige Organisation ist, die diese
schwierige Aufgabebewältigen kann, widerlegen wir seit der Gründung unserer ISN im Jahr 1988.
Seit Jahren redet die ZMP von einem
Vergleich von Vermarktungswegen bei Schlachtschweinenund kommt nicht aus dem Quark. Erste Ergebnisse hat jetzt der Bauernverband veröffentlicht, nachdem er das ZMP-Projekt übernommen hat. Wir veröffentlichen unseren Vermarktungswegevergleich in diesem Jahr bereits zum dritten Mal. Auch haben wir gerade erstmals einen Ferkelpreisvergleich für die Monate März/April 2007 erstellt. Ist das nicht Beleg genug dafür, dass die tatsächlich Betroffenen Vieles besser können als eigens gegründete Organisation?
Weiter informieren wir als ISN unsere Mitglieder seit unserer Gründung unter anderem zuerst zwei-, inzwischen dreimal wöchentlich mit unserem
Marktberichtüber die aktuelle Situation am Markt für Schlachtschweine und Ferkel. Neben tagesaktuellen Meldungen in unserem www.schweine.net veröffentlichen wir zusätzlich einmal pro Woche einen Vergleich der wichtigsten Notierungen von Schlachtschweinen innerhalb der EU.
Damit ist die Frage, ob tatsächlich nur die ZMP den
mehrdimensionalen Überblicküber die Märkte hat, der eine fundierte Marktberichterstattung erlaubt, beantwortet. Die Wirtschaft ist im Vergleich zur ZMP sogar in der Lage, die Marktberichterstattung viel effizienter und kostengünstiger zu leisten. Zumal die ZMP und die Centrale Marketing-Gesellschaft der Deutschen Agrarwirtschaft (CMA) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) künftig auch noch die Personal- und Sachkosten für das Erheben der Absatzfondsbeiträge erstatten
dürfen.
Der Bundesrechnungshof empfiehlt in seinem aktuellen Gutachten zum Absatzfonds übrigens, zu prüfen,
ob eine Privatisierung der Absatzförderung möglich ist.Er kommt zu folgendem Schluß:
Zudem würde eine Privatisierung zur Entbürokratisierung und zu effizienterer und effektiverer Absatzförderung führen. Eine privat organisierte Absatzförderung könnte sich besser am Bedarf für solche Maßnahmen orientieren.Dem ist nichts hinzuzufügen.
Die Schweinehalter in Deutschland steuern jährlich über 23 Millionen Euro zum Absatzfonds bei. Bei den Gebrüdern Grimm ist von vielen wundersamen Dingen die Rede – bei Tischlein Deck Dich von dem Esel, der goldene Dukaten speit, bei Hans im Glück von der Gans, die goldene Eier legt. Hat nicht auch die ZMP ihre
Goldene Gans? Oder haben die am Schweinemarkt interessierten Bauern einen Esel, den sie allerdings mit goldenen Dukaten füttern müssen? Und das, was bei diesem Grautier hinten raus fällt, ist alles andere als Gold...
Die diesem Kommentar zugrunde liegende Pressemeldung der ZMP vom 6. Juli 2007 finden Sie hier.
Im Bild: Ulrich Kirschner betreibt einen Schweinemastbetrieb in Meppen in Niedersachsen und ist stellvertretender ISN-Vorsitzender










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