Boehringer Beratertagung: Spanische Ebermast, UVC-entkeimung und Wurfmanagement
Beraterfortbildung Schweinegesundheit
am 04.11.09 in Osnabrück und am 05.11.09 in Münster-Wolbeck
Auch in diesem Jahr lud die Fachhochschule Osnabrück, der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zusammen mit Boehringer Ingelheim interessierte Berater zur Fortbildung ein. Für die ISN war Trainee Jana Püttker vor Ort.
In Osnabrück startete die gut besuchte Veranstaltung mit zwei spanischen Referenten der Firma Gepork, die über die Entwicklungen in der spanischen Schweineproduktion und Erfahrungen in der Ebermast berichteten. Die spanische Schweineproduktion hat in den vergangenen 10 Jahren einen rasanten Zuwachs mit hohen Spezialisierungsgraden erlebt. Dabei wirtschaften mittlerweile 80% der Betriebe im integrierten System (Lohnmast). Diese Betriebe befinden sich aufgrund der Wirtschaftskrise derzeit in einer schwierigen finanziellen Lage. Für die Zukunft erwarten die Referenten eine noch stärkere Konzentration der Schweineproduktion mit um ca. 5% reduzierten Beständen.
In Spanien werden nur ca. 30% der Eber kastriert. Da in Spanien die visuelle Klassifizierung verbreitet ist hat der Eber hier eindeutig physiologische Vorteile gegenüber Börgen und Sauen. Für die Schinkenproduktion liefere der Eber das überlegene Produkt. Letztendlich gibt der Schlachthof vor, was produziert wird, denn auch dort herrsche ein Überangebot an Schlachtschweinen. Den spanischen Verbrauchern sei das bessere Wohlbefinden wichtiger und so nähmen Sie den Ebergeruch in Kauf. Reklamation aufgrund von Ebergeruch gebe es fast keine.
Die Probleme über die wir uns in Deutschland unterhalten konnten die Spanier nicht nachvollziehen. Gefüttert werden die Eber dort wie Börge und Sauen. Hinzu kommt, dass Mastschweine vorwiegend in Buchten von 12-15 Tieren gehalten werden und nicht in Großgruppen. Das Eberfleisch wird nicht für die Produktion von Frischfleisch verwendet, sondern geht in die Verarbeitung. Ob ein Markt für immunologisch kastrierte Tiere vorhanden ist, muss nach Meinung der Referenten die Zeit zeigen.
Dr. Heinrich Wilkes (Fachtierarzt für Schweine) stellte mit der UVC-Entkeimung einen neuen Weg zur Luft- und Flächenentkeimung in der Schweineproduktion vor. Er könne in betreuten Betrieben trotz der üblichen Biosecurity Maßnahmen Einträge von PRRS-Viren über Strecken von über 3 km nachweisen, die über das Lüftungssystem in den Stall gelangen. UVC-Strahlen kann jeder Organismus aufnehmen und ab einer bestimmten Strahlendosis wird die DNA so geschädigt, dass keine Replikation und somit auch keine Vermehrung des Virus mehr möglich seien. Die Kosten für die Installation und Wartung würden sich auf 1-2€ pro Ferkel und 2€ pro Mastplatz belaufen. Lohnen könnte sich die Luftentkeimung für Ferkelerzeuger und Züchter die einen Stallneubau planen und eine hochgesunde Herde einstallen. Er versteht die UVC-Entkeimung als Baustein zu anderen Biosecurity Maßnahmen.
In dem folgenden Vortrag wurde von Dr. Schulte-Wüwer vom Schweinegesundheitsdienst der LWK Niedersachsen der optimale Circo-Impftermin ermittelt. Er stellt heraus, dass obwohl 75% der Ferkelerzeuger ein negatives EVH-Screening Ergebnis aufweisen, eine Impfung durch den Ferkelerzeuger vorgenommen werden sollte. Eine Impfung zum Masteingang sei nach Praxisversuch in 65% der Fälle nicht mehr wirksam. Die Empfehlung lautet ab der 3. Lebenswoche (15. Tag) die Circo-Impftung durchzuführen. Er warnte davor den Circo-Impfstoff mit anderen Impfstoffen oder Medikamenten zu mischen. Die zeitgleiche Verabreichung mit anderen Vakzinen (rechts/links) sei aber durchaus möglich.
Aus den Niederlanden berichtete Dr. Kees Schepens (praktischer Tierarzt) zum Thema „Antibiotika Einsatz in der Kritik - Holländische Ferkelerzeuger reagieren schon!“.
Seit den ersten MRSA-Fällen in den Niederlanden wird heftigst über den Zusammenhang mit hohen Antibiotikaeinsatz in der Schweineproduktion diskutiert. Die Niederländer haben EU-weit mit 32 Tagen die höchste Anzahl an Tagen pro Jahr an denen ein Tier antibiotisch behandelt wird (DK ca. 10 Tage, D ca. 13 Tage). Maßnahmen die die Niederländer nun ergreifen:
- Verzicht auf Einstallprophylaxe
- „Minimum-Therapie“ à vorzugsweise Einzeltierbehandlung, keine Gabe über Futter
- Minimierung der Kontaktübertragung (Tier-Mensch-Tier, Tier-Tier, Tier-Umgebung-Tier)
- Erhöhen der Widerstandsfähigkeit der Schweine, z.B. über Vakzinationen
Er stellte die „Kombibucht 2.0“, die Injektion ohne Nadel und die Eiseninjektion ab dem 3. Tag zur Diskussion, um Infektionen vorzubeugen.
Münster-Wolbeck
In Münster-Wolbeck lag der Schwerpunkt der sehr gut besuchten Veranstaltung auf dem Management im Abferkelstall.
Dr. Große Beilage (Fachtierarzt für Schweine) erläuterte wie mit großen Würfen umzugehen sei. Ein stärkeres Augenmerk sollte auf die Gesäugekontrolle gelegt werden, vor allem die hinteren Zitzen seine durch Ödeme und Entzündungen gefährdet.
In der Diskussion um Ammensauen, Rescue-Decks und Supp-Le-Mate Zufütterung wurde aus dem Publikum angemerkt, dass „die Sauen die Ferkel aufziehen sollen, nicht der Landwirt“.
Weiter wurde von Dr. Schulze-Horsel (Schweinegesundheitsdienst der LWK NRW) erläutert: „Die Züchtung schafft es eher ein Ferkel mehr in die Sau zu kriegen, als eine weitere Zitze an die Sau“. In diesem Zusammenhang warnte Dr. Große Beilage vor der Entwicklung hin zur „Defektzucht“ und äußerte tierschutzrechtliche Bedenken, die damit einhergehen.















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