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01.02.2013RSS Feed

Statistik ohne Wert aber mit Wirkung

Gruppenhaltung von Sauen in der EU (Stand Januar 2013)

Wieder einmal eine Statistik ohne Wert aber mit viel Wirkung. Gemeint ist die Erhebung der EU hinsichtlich des Umsetzungsgrades der Gruppenhaltung für tragende Sauen.

 

Danach steht Deutschland mit ca. dreiviertel der Betriebe fast am unteren Ende der Rangliste Europas. Nur Frankreich, Zypern und Portugal haben demnach einen noch geringeren Umsetzungsgrad. Viele Fachleute reiben sich die Augen und sehen die Realität nicht abgebildet. Zum einen schätzen sie den Umsetzungsgrad in Deutschland höher ein, zum anderen bestehen arge Zweifel an der Richtigkeit der Zahlen aus anderen Ländern.


Die ISN sagt: Das sind keine belastbaren Zahlen

Woher kommen die EU-Zahlen? Sie fußen auf lückenhaft erhobenen und sehr grob geschätzten Werten. Die Zahlen hängen also maßgeblich davon ab, wie optimistisch der jeweilige Staat die eigene Situation eingeschätzt hat. In Deutschland sind das Schätzungen aus dem September 2012, die aus den Bundesländern kommen. Dabei haben die meisten Landesbehörden bis heute noch keine belastbaren Zahlen für ihre jeweiligen Zuständigkeitsbereiche. Erst in diesen Tagen werden die genauen Erhebungen in den Bundesländern abgeschlossen und ausgewertet, so dass in Kürze auch ein klares Bild zur Situation in Deutschland vorliegen wird.

 

Dann wird auch klar sein, ob der bei der Schätzung berücksichtigte Anteil an Betriebsaufgaben richtig kalkuliert wurde. Selbst, wenn sich mit den verlässlichen Zahlen ein Umsetzungsgrad in der beschriebenen Größenordnung für Deutschland bestätigen sollte, so liegt der Anteil an Sauen in Betrieben mit Gruppenhaltung weit höher – und das ist die eigentlich entscheidende Zahl. Gerade die größeren Sauenhaltungsbetriebe, die auch zukünftig noch Ferkel erzeugen wollen, haben die Umstellung längst vollzogen. Zudem haben die zuständigen Behörden frühzeitig signalisiert: Ab 1.1.2013 wird ausgiebig kontrolliert – ohne wenn und aber.


Gruppenhaltung von Sauen

Gruppenhaltung von Sauen

Die ISN hat Zweifel an den Zahlen aus anderen Ländern

Die Zahlen aus den EU-Mitgliedsstaaten, die einen Vollzug bzw. nahezu vollständigen Vollzug der Umsetzung gemeldet haben, sind nach Ansicht der ISN deutlich zu hinterfragen. Nicht bei einem Staat wie Großbritannien, in dem die Gruppenhaltung schon 1999 umgesetzt wurde. Erstaunlich ist vielmehr, wie Länder, die noch bei den Erhebungen in jüngster Vergangenheit weit zurück lagen, die Gruppenhaltung nun plötzlich kurz vor Toresschluss komplett umgesetzt haben sollen. Was ist in Süd- und Osteuropa, in Ländern wie Italien, Spanien, Rumänien, Polen usw. geschehen, dass die Umsetzung dort nun so viel besser als in Deutschland sein soll?

 

Viele Experten, die Einblick in die Schweinehaltung in diesen Ländern gewinnen konnten, haben erhebliche Zweifel, dass die Daten auch nur annähernd stimmen. Auch wenn es dort teilweise schlüssige Konzepte für die Umsetzung geben soll: Glauben Sie beispielsweise den Italienern, dass Sie zu 99 % die Gruppenhaltung umgesetzt haben? Glauben Sie dies vor dem Hintergrund, dass gerade dort bereits in der Vergangenheit auf dem Agrarsektor erheblich betrogen wurde? Denken wir nur an die vielen prämienberechtigten Kühe in Italien, die es 2011 nur auf dem Papier gab, um nur ein Beispiel zu nennen.

 

Da hilft nur eines, die sofortige Kontrolle dieser Länder seitens der EU. Wenn in einem Land 100 % der Betriebe umgestellt haben, ist das über Stichproben einfach herauszufinden., so ISN-Projektmanager Dr. Karl-Heinz Tölle.

 

Marktpolitik auf Kosten der deutschen Schweinehalter

Auch wenn die Zahlen wenig taugen, so werden sie schon kräftig von der abnehmenden Seite und Mitbewerbern aus anderen Staaten genutzt, um die deutschen Schweinehalter an den Pranger zu stellen. So sollen Marktvorteile auf Kosten der hiesigen Schweinefleischproduktion verschafft werden. Zudem machen die Briten bereits kräftig Druck auf die EU, die angeblichen Sünder zu bestrafen. Die EU hat die Einleitung eines Anlastungsverfahrens gegen Deutschland bereits angedroht.

 

Aus Sicht der ISN ist es deshalb ungemein wichtig, schnell verlässliche Zahlen aus den Bundesländern wie auch aus allen EU-Mitgliedstaaten zu bekommen und zu veröffentlichen.

 

An die Adresse derjenigen Ferkelerzeuger in Deutschland, die noch Nachholbedarf bei der Umsetzung der Gruppenhaltung haben, appelliert die ISN, spätestens jetzt Gas zu geben. Denn diese Ferkelerzeuger schaden sich durch eine weitere Verzögerung selbst, ebenso wie auch ihren deutschen Berufskollegen.


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