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01.11.2011RSS Feed

Das Märchen von der europäischen Wettbewerbsgerechtigkeit - oder was die Käfighennen der EU mit den deutschen Gruppenhaltungssauen verbindet - Ein Kommentar von ISN-Vorstandsmitglied Birgit Scharlau

ISN-Vorstandsmitglied Birgit Scharlau

ISN-Vorstandsmitglied Birgit Scharlau

Es war einmal in der EU eine ehrgeizige deutsche Regierung, die wollte, dass es den Hühnern in ihrem Land besser geht. So hat die Regierung dafür gesorgt, dass das liebe Federvieh aus den schrecklichen Käfigen befreit wurde. Damit aber die deutschen Hühnerbauern nicht zu lange unter diesem nationalen Alleingang leiden mussten, hat das mächtige Deutschland sich in der Staatengemeinschaft dafür eingesetzt, dass bald auch die anderen Länder ihre Hühner aus den Käfigen freilassen sollten.

So rückte dieser glückliche Tag für die Hühner der restlichen EU immer näher, aber kurz davor verkündete der Großkommissar Aberdalli, dass einige EU-Länder zu arm seien, um ihre Hühner freizulassen. Vom Rückstand der armen Länder Süd- u. Osteuropas wie Bulgarien, Griechenland, Zypern, Portugal, Ungarn, Rumänien, Polen, Litauen waren die EU-Bürger  auch nicht zu sehr verwundert. Dort hatten große Geldnöte die ganze Verwaltung verdorben und niemand konnte mehr die Käfigtüren für die Hühner öffnen. Viel schlimmer war allerdings die Nachricht,  dass weder die Franzosen und Italiener noch die Belgier ihre Hühner freilassen konnten; alles große und reiche Gründungsnationen der EU. So blieben es allein die deutschen Hühner, die befreit wurden. Leider auch nicht lange, da schon bald alle deutschen Hühnerbauern den Wettbewerb gegenüber ihren europäischen Nachbarn verloren hatten, ihre Produktion aufgeben mussten und es bald keine Hühner mehr in Deutschland gab.

 

So begab es sich dann auch in jener Zeit, dass die EU ihre Sauenhalter verpflichtete, die Sauen nur noch in Gruppen zu halten. Die braven deutschen Bauern setzten diese Auflagen unter Staatskontrolle in ihren Ställen um, mussten sich dafür aber ganz viel Geld von den Banken leihen. Die Bauern, die kein Geld hatten mussten ihre Sauen verkaufen und stiegen aus der Produktion aus.  Und wieder kam Kunde vom Großkommissar, dass man in vielen EU-Ländern zu arm sei, den Sauen Gruppenställe zu bauen … an diesem Punkt wiederholt sich die Geschichte wie bei den Hühnern.

 

Und die Moral von der Geschicht`, traue dem guten alten Europa nicht!

 

Fazit der Autorin:

Die obigen Absätze sind leider kein Märchen, sondern krasse Realität!

Wir können uns als deutsche Landwirtschaft weitere Wettbewerbsverzerrungen verstärkt durch die EU nicht mehr leisten! Selbst für überzeugte Europäer unter den deutschen Landwirten ist an dieser Stelle das Maß voll! Bei uns stellt niemand die fälligen Kredite glatt, wie im Fall Griechenland oder  Italien. Die europäische Solidarität ist bald verspielt und (süd-)europäischer Ungehorsam wird dann auch in Deutschland angesagt sein!


Agrarministerkonferenz logo

Zum Hintergrund:

Zwei Tage lang haben die deutschen Agrarminister der Länder zusammen mit Bundesagrarministerin Ilse Aigner in der letzten Woche während der Agrarministerkonferenz in Suhl über aktuelle Themen beraten. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Vorschläge zur Reform der GAP, die EU-Landwirtschaftskommissar Ciolos am 12. Oktober vorgelegt hatte.

Neben den Vorschlägen aus Brüssel diskutierten die Agrarminister vor allem über eine Reduzierung der Flächeninanspruchnahme, das EU-weite Verbot der Käfighaltung von Legehennen, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Schutz der Imker vor gentechnisch veränderten Pollen im Honig.

Die Ressortchefs kritisierten, dass in anderen EU-Mitgliedsstaaten das Verbot der Käfighaltung von Legehennen nicht fristgerecht zum 1. Januar 2012 umgesetzt würde und Käfigeier auch weiterhin auf den Markt kämen. Die deutschen Agrarminister halten diese Praxis aus Tierschutzgründen für nicht vertretbar und sehen darin eine nicht hinnehmbare Wettbewerbsverzerrung.

 


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