"Augen zu und zupachten?" – Gastkommentar von Dr. Franz-Josef Budde, Chefredakteur des Ldw. Wochenblattes Westfalen-Lippe
Kaum ein anderes Thema bewegt Bauern mehr als das Thema Pachtpreise. Meist beginnt die Diskussion mit der lapidaren Feststellung unter Berufskollegen:
Das Gerede über
Bei der Preisfindung ist die offizielle Statistik nicht gerade hilfreich: So fragt die im zweijährigen Turnus stattfindende Agrarberichterstattung die Pachtpreise ab. Für das Jahr 2003 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – werden für Ackerland im früheren Bundesgebiet 294 €/ha ausgewiesen, in den neuen Bundesländern 140 €/ha. Schön wäre es, wenn zu diesen Preisen gepachtet werden könnte.
Näher an der Wirklichkeit und aktueller sind im Vergleich dazu Angaben aus Buch führenden Betrieben. Für Westfalen-Lippe ergibt sich daraus für das Wirtschaftsjahr 2004/05 ein Durchschnittswert von 337 €/ha – wobei nicht zwischen Acker- und Grünland unterschieden wird.
Schaut man in die einzelnen Betriebsgruppen, so wird man fündiger: So haben die westfälisch-lippischen Ackerbau- und Futterbaubetriebe im Wirtschaftsjahr 2004/05 durchschnittlich knapp 300 €/ha für ihre Pachtflächen gezahlt – Veredlungsbetriebe dagegen 430 € im Durchschnitt. Nach Regionen zeigt sich Folgendes: Im Bergischen Land wurden durchschnittlich 225 €, im Sauerland 224 €, in der Köln-Aachener Bucht 441 €, am Niederrhein 398 € und im Münsterland 411 € an Pachtzahlungen pro Hektar ausgewiesen. Die Unterschiede hängen auch damit zusammen, dass im Bergischen Land und im Sauerland der Grünlandanteil deutlich höher ist und für Grünland niedrigere Pachtpreise gezahlt werden.
Berechnungen zum
Doch Schweineproduzenten rechnen häufig anders: Sie können ohne zusätzliche Flächen nicht mehr wachsen – folglich rechnet man entweder die Kosten der überbetrieblichen Gülleverwertung mit in den Pachtpreis ein oder macht eine
Doch Vorsicht: Eine solche Rechnung berücksichtigt weder die zusätzliche Arbeit, die mit der Flächenbewirtschaftung verbunden ist, noch kalkuliert sie das Risiko niedriger Schweinepreise ein. Was ist, wenn – wie in der Vergangenheit häufig passiert – die Schweinepreise auf ein Niveau fallen, bei dem nicht einmal mehr die laufenden Kosten gedeckt werden? Dann fehlt Schweinemästern nicht nur das Einkommen für ihre Familie.
Zusätzlich fließt dann Geld für eine viel zu hohe Pacht ab – und die Bank, die den Stallbau finanziert hat, will mit Sicherheit nicht auf ihre Zinsen verzichten. Erinnern wir uns an das schlimme Schweinejahr 1999: Damals hatten diejenigen Schweinemäster die meisten finanziellen Probleme, die in den Jahren davor erheblich gewachsen waren und dabei auch vor hohen Pachtpreisen nicht zurückgeschreckt sind.
Die Diskussion über unangemessene oder zu hohe Pachtpreise hat eine weitere Schwäche: In der Landwirtschaft wird unterschiedlich verdient. Ackerbaubetriebe in NRW – deren Zahlen sind am aussagekräftigsten, weil sie nur durch den Ackerbau zu Stande kommen – haben im Wirtschaftsjahr 2004/05 im Durchschnitt 566 €/ha Gewinn gemacht. Das erfolgreiche Viertel hat 885 €/ha, das weniger erfolgreiche Viertel nur 130 €/ha übrig behalten. Zwischen Durchschnitt und erfolgreich liegen 320 € – zwischen den Extremen sogar 750 €/ha. Mit anderen Worten: Für den einen sind 200 € zu viel, ein anderer behält selbst bei hohem Pachtpreis noch etwas übrig. Vor allem anderen sollte deshalb die saubere betriebswirtschaftliche Berechnung im Einzelfall stehen.
Einen weiteren Aspekt darf man nicht übersehen: Pachtverträge werden heute in der Regel langfristig abgeschlossen. Zupacht kann eine Chance für die Zukunft sein – kann sich aber auch zu einer Hypothek entwickeln, wenn sich die Produktionsbedingungen verschlechtern. Schon heute stöhnen viele Bauern unter den
(Dieser Kommentar von Dr. Budde erschien in der Ausgabe 5/2006 des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Westfalen-Lippe.)
Hast du gehört – der Wilhelm soll für den Acker am Waldrand 600 € geboten haben.Man empört sich, diskutiert am Stammtisch, dreht sich um und bietet mehr …
Das Gerede über
verrücktePachtpreise ist auch deshalb so faszinierend, weil es keine nachprüfbaren Angaben oder Daten zur Höhe der Pachtpreise gibt. Geredet und gemunkelt wird viel – dabei wird häufig nicht einmal unterschieden zwischen einem Bruttopachtpreis und einem Nettopachtpreis – schließlich ist es bei der Pacht nicht unwichtig, wer die auf dem Grundstück liegenden Lasten übernimmt.
Bei der Preisfindung ist die offizielle Statistik nicht gerade hilfreich: So fragt die im zweijährigen Turnus stattfindende Agrarberichterstattung die Pachtpreise ab. Für das Jahr 2003 – aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – werden für Ackerland im früheren Bundesgebiet 294 €/ha ausgewiesen, in den neuen Bundesländern 140 €/ha. Schön wäre es, wenn zu diesen Preisen gepachtet werden könnte.
Näher an der Wirklichkeit und aktueller sind im Vergleich dazu Angaben aus Buch führenden Betrieben. Für Westfalen-Lippe ergibt sich daraus für das Wirtschaftsjahr 2004/05 ein Durchschnittswert von 337 €/ha – wobei nicht zwischen Acker- und Grünland unterschieden wird.
Schaut man in die einzelnen Betriebsgruppen, so wird man fündiger: So haben die westfälisch-lippischen Ackerbau- und Futterbaubetriebe im Wirtschaftsjahr 2004/05 durchschnittlich knapp 300 €/ha für ihre Pachtflächen gezahlt – Veredlungsbetriebe dagegen 430 € im Durchschnitt. Nach Regionen zeigt sich Folgendes: Im Bergischen Land wurden durchschnittlich 225 €, im Sauerland 224 €, in der Köln-Aachener Bucht 441 €, am Niederrhein 398 € und im Münsterland 411 € an Pachtzahlungen pro Hektar ausgewiesen. Die Unterschiede hängen auch damit zusammen, dass im Bergischen Land und im Sauerland der Grünlandanteil deutlich höher ist und für Grünland niedrigere Pachtpreise gezahlt werden.
Berechnungen zum
richtigenPachtpreis klaffen in der Praxis weit auseinander. Nüchterne Kalkulationen vorsichtiger Betriebswirte fallen so aus, dass heute vom Acker durchschnittlich 200 bis 300 €/ha erwirtschaftet werden. Rechnet man 275 € Flächenprämie hinzu, so bleibt nach Abzug der Nebenkosten ein Betrag von maximal 500 €/ha, der für Pacht, Arbeitsentlohnung und Risiko zur Verfügung steht. Nach dieser Rechnung dürfte niemand in Westfalen-Lippe für Ackerland mit Prämie mehr als 500 €/ha Pacht zahlen, eigentlich deutlich weniger.
Doch Schweineproduzenten rechnen häufig anders: Sie können ohne zusätzliche Flächen nicht mehr wachsen – folglich rechnet man entweder die Kosten der überbetrieblichen Gülleverwertung mit in den Pachtpreis ein oder macht eine
Gesamtrechnungauf: Wenn 65 Mastschweine pro Hektar mehr gemästet werden können – ein solcher Flächenbesatz ist nach den Gesetzen erlaubt – und vom Gewinn der Schweinemast nur 5 € pro Mastschwein über den Pachtpreis abfließen, so kommen weitere 175 €/ha dazu. Und schon rechnen sich Optimisten einen Pachtpreis von über 600 € aus.
Doch Vorsicht: Eine solche Rechnung berücksichtigt weder die zusätzliche Arbeit, die mit der Flächenbewirtschaftung verbunden ist, noch kalkuliert sie das Risiko niedriger Schweinepreise ein. Was ist, wenn – wie in der Vergangenheit häufig passiert – die Schweinepreise auf ein Niveau fallen, bei dem nicht einmal mehr die laufenden Kosten gedeckt werden? Dann fehlt Schweinemästern nicht nur das Einkommen für ihre Familie.
Zusätzlich fließt dann Geld für eine viel zu hohe Pacht ab – und die Bank, die den Stallbau finanziert hat, will mit Sicherheit nicht auf ihre Zinsen verzichten. Erinnern wir uns an das schlimme Schweinejahr 1999: Damals hatten diejenigen Schweinemäster die meisten finanziellen Probleme, die in den Jahren davor erheblich gewachsen waren und dabei auch vor hohen Pachtpreisen nicht zurückgeschreckt sind.
Die Diskussion über unangemessene oder zu hohe Pachtpreise hat eine weitere Schwäche: In der Landwirtschaft wird unterschiedlich verdient. Ackerbaubetriebe in NRW – deren Zahlen sind am aussagekräftigsten, weil sie nur durch den Ackerbau zu Stande kommen – haben im Wirtschaftsjahr 2004/05 im Durchschnitt 566 €/ha Gewinn gemacht. Das erfolgreiche Viertel hat 885 €/ha, das weniger erfolgreiche Viertel nur 130 €/ha übrig behalten. Zwischen Durchschnitt und erfolgreich liegen 320 € – zwischen den Extremen sogar 750 €/ha. Mit anderen Worten: Für den einen sind 200 € zu viel, ein anderer behält selbst bei hohem Pachtpreis noch etwas übrig. Vor allem anderen sollte deshalb die saubere betriebswirtschaftliche Berechnung im Einzelfall stehen.
Einen weiteren Aspekt darf man nicht übersehen: Pachtverträge werden heute in der Regel langfristig abgeschlossen. Zupacht kann eine Chance für die Zukunft sein – kann sich aber auch zu einer Hypothek entwickeln, wenn sich die Produktionsbedingungen verschlechtern. Schon heute stöhnen viele Bauern unter den
Altlasten, die sie zu tragen haben – seien es Abgaben, Pachten, Quotengelder oder Altenteilerlasten. Wer als Landwirt in dieser Hinsicht zu hoch pokert, könnte nicht zu den Gewinnern, sondern zu den Verlierern der Zukunft zählen.
(Dieser Kommentar von Dr. Budde erschien in der Ausgabe 5/2006 des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Westfalen-Lippe.)










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