„April, April, … Sauenabwrackprämie“ - Kommentar von Christian Schulze Bremer, ISN-Vorstandsmitglied

Bereits seit 400 Jahren ist es in Europa Brauch, sich gegenseitig in den April zu schicken. Nachweislich erstmals dokumentiert im Jahre 1618 in Bayern. So waren auch gestern wieder Zeitungs- und Radioberichte nur so gespickt von fragwürdigen Meldungen. Angefangen vom Delphin im Dortmund-Ems-Kanal bis hin zum Heidi Klum Auftritt in Vechta auf dem Europaplatz, wo gestern Nachmittag viele junge Nachwuchs-Modells vergeblich auf ihre Chance warten. Der Naturschutzbund Deutschland (NaBu) warnte, dass die Natur verrückt spiele. Denn Graureiher würden sich mit Kanichen paaren und Hamster seien beim Floßbau und Schnorcheln beobachtet worden, wie es die Deutsche Presseagentur dpa zu berichten wusste. Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung scheint gestern die ISN kopiert zu haben, denn die FAZ berichtete von einer „Abwrackprämie für Kaninchen“. Auch diese Meldung hat so manchen Entrüsteten auf den Plan gerufen.
Und wenn es auch heute alle gewußt haben wollen, daß die „Sauenabwrackprämie“ ein Aprilscherz war, so ist doch der ein oder andere darauf reingefallen. In Zeiten, wo die deutschen Milchviehhalter 90 Mio. € Staatshilfe bekommen, die Kanadier eine Sauenabschlachtprämie eingeführt haben und die Amerikaner für 25 Mio. $ Fleisch aus dem Markt kaufen, erscheint auch eine Abwrackprämie für Schweine und nicht nur für Autos durchaus realistisch.
Die ISN wollte mit diesem Aprilscherz auf die äußerst angespannte Situation bei den Ferkelerzeuger aufmerksam machen, denn viele Apelle blieben bisher leider weitestgehend ungehört.
Franz Meyer zu Holte, der nach 21 Jahren ausgeschiedene erste ISN-Vorsitzende, stellte im März bei der Mitgliederversammlung in Cloppenburg bei seinem Jahresbericht fest: „Wenn man die derzeitige Hilfsflut auch auf unsere Branche übertragen hätte, auf den Schweinesektor, der in den vergangenen zwei Jahren ähnliche Katastrophen durchlebt hat, dann wäre sicherlich das BImSchG und mancher anderer Bürokratismus abgeschafft worden und für Sauen hätte es eine Abwrackprämie gegeben. Auch im Schweinebereich sind in dieser Zeit weit über 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Nur sind wir Bauern offensichtlich viel geduldiger als Opel-Werker.“
Und dem wollte die ISN zum 1. April noch einmal Rechnung tragen. Denn bei den „Großen“ wie Holzmann, Hypo Real Estate, Commerzbank oder Opel geben sich die Bundeskanzlerin und die Spitzenpolitiker die Klinke in die Hand. Bei den „Kleinen“, wie den Schweinehaltern, da kommt leider nur einer und das ist der Gerichtsvollzieher. Die Satire bedient sich der Übertreibung, sie kann spöttisch sein und der Politik die Maske vom Gesicht reißen. Deswegen kann es nur heißen Staatswirtschaft für niemand oder für alle und das wäre dann wohl der Kommunismus.
Die Schweinehalter wollen nicht am Tropf von Merkels Gnaden und Co. hängen, sie brauchen unternehmerische Freiräume, vernünftige politische Rahmenbedingungen. Ein kostentreibender Tierschutz-TÜV, die Abschneidung von den internationalen Sojamärkten und ein restriktiver Ammoniakleitfaden sind leider genau das Gegenteil.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Denn wenn wir klagen, freuen sich nur die anderen.
Im Bild: Christian Schulze Bremer, Sauenhalter aus Dülmen und ISN-Vorstandsmitglied
Aprilscherz- "EILMELDUNG: Bundesregierung legt „Sauen-Abwrackprämie“ auf – Eile geboten"
ISN-Mitgliederversammlung 2009: Bericht des ehemaligen ISN-Vorsitzenden Franz Meyer zu Holte










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