08.03.2005 RSS Feed

"Antibiotikaspuren in Schweineschnitzel nicht dramatisieren" - Kommentar von Dr. Jens Ingwersen, Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion

Ingwersen Dr Die Gefahr, dass durch Tierantibiotika auch bei Bakterien des Menschen Resistenzen ausgelöst würden, sei denkbar gering, so Prof. Jürgen Wallmann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu einer Veröffentlichung der Zeitschrift Ökotest (Ausgabe 3/05) über antibiotische Rückstände in Schweinefleisch.

Die Rückstände im Fleisch sind allen internationalen Untersuchungen zufolge in ihren Auswirkungen auf den Menschen zu vernachlässigen, ist Wallmann überzeugt. Auch die Möglichkeit, dass über Antibiotika-resistente Keime, wie z.B. Salmonellen, die Resistenz auf den Menschen übertragen werde, schätzt er sehr gering ein.

Ökotest hatte in fünf von 17 Fleischproben, die aus Geschäften rund um Hamburg stammten, Spuren von Antibiotika festgestellt. Davon lag ein Befund über dem geltenden Grenzwert. Hieraus die pauschale Schlussfolgerung zu ziehen, in der Schweinemast werde zuviel Antibiotika eingesetzt, ist nach Auffassung von Dr. Jens Ingwersen, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion e.V. (ZDS), unzulässig.

Die Notwendigkeit zur Behandlung kranker Tiere ist aus Gründen des Tierschutzes unstrittig. Die Einhaltung der vorgegebenen Wartezeiten (bis zur Schlachtung) ist eine Frage der guten fachlichen Praxis. Die Anwendung erfolgt generell nur auf der Basis einer tierärztlichen Diagnose. Grundlage hierfür ist die Antibiotika-Leitlinie der Bundestierärztekammer.

Grundsätzlich sei darauf hingewiesen, dass der zulässige Grenzwert bei dem Test von Ökotest nur bei einer Probe überschritten wurde. Hinzu kommt, dass die Herkunft des Fleisches unbekannt ist. Es liegt keine Information darüber vor, ob es sich um Import- oder heimische Ware handelt. Da die Proben z.T. in Geschäften der gleichen Lebensmittelkette genommen wurden (3 x Real, 2 x Edeka, 2 x toom, 2 x Westfalenland), kann davon ausgegangen werden, dass das Fleisch jeweils die gleiche Herkunft hat.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Aussagefähigkeit des Testergebnisses zweifelhaft und in keinem Fall repräsentativ. Verwunderlich ist darüber hinaus, dass den Ursachen der überhöhten Keimbelastung – z.B. Staphylokokken im ökologisch erzeugten Fleisch – nicht stärker nachgegangen wurde.

Im Übrigen verleitet der Artikel den Leser dazu, fälschlich von den gefundenen Antibiotikaspuren auf die Resistenzsituation zu schließen, obwohl lediglich sechs von insgesamt 17 Proben hierauf untersucht wurden, davon zwei ohne Antibiotikaspuren.

Wie Wallmann mit Hinweis auf die gerade vom BVL veröffentlichte Resistenzstudiefeststellte, ist die Resistenzsituation in der deutschen Nutztierhaltung viel niedriger als bisher angenommen.

Auch könne kein Zusammenhang zwischen der Bestandgröße und der Resistenzsituation hergestellt werden. Bei rund 230.000 Proben im Jahr 2003 war man in nur 0,16 Prozent fündig geworden.

Die Überwachungsmaßnahmen des BVL zielen darauf ab, die illegale Anwendung von verbotenen oder nicht zugelassenen Stoffen aufzudecken und den vorschriftsmäßigen Einsatz von zugelassenen Tierarzneimitteln zu kontrollieren - durchaus erfolgreich. Denn der Anteil an positiven Funden ist in den letzten sieben Jahren insgesamt rückläufig.

Vor diesem Hintergrund ist die schnelle Warnung des BVL vor unbegründeter Panikmache und Dramatisierung der Testergebnisse zu begrüßen. Von der zuständigen Bundesministerin für Verbaucherschutz hätten sich die Schweinehalter eine objektivere Bewertung der Studie erwünscht.

Im Bild:
Dr. Jens Ingwersen, ZDS



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