ISN-Vorsitzender heinrich Dierkes referierte Bei Agrarmarketingtagen

Heinrich Dierkes
Agrarmarketingtage: Deutscher Schlachtschweinemarkt bleibt 2010 auf umfangreiche Exporte angewiesen
Der deutsche Schlachtschweinemarkt bleibt im kommenden Jahr auf umfangreiche Exporte als Vermarktungsventil angewiesen, sonst ist Preisdruck vorprogrammiert. Christian Alter von der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) geht davon aus, dass die Schweinefleischerzeugung gegenüber dem Kalenderjahr 2009 um 2,4 % auf die Rekordmarke von 5,40 Mio t steigen könnte. Dem steht ein Inlandsverbrauch von geschätzten 4,41 Mio t gegenüber, berichtet Agra-Europe.
Die Einfuhr von Schweinefleisch könnte 2010 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 % auf 1,26 Mio t zulegen. Um den Markt zu räumen, müssten also rund 2,25 Mio t Schweinefleisch jenseits der deutschen Landesgrenzen vermarktet werden, erläuterte der AMI-Geschäftsführer vergangene Woche anlässlich der Agrarmarketingtage in Berlin. Das wären gut 6 % mehr als die 2,12 Mio t, die die AMI für dieses Jahr an deutschen Schweinefleischlieferungen ins Ausland erwartet. Der Ausfuhrüberschuss beim Schweinefleisch ist in den letzen Jahren kräftig gewachsen: 2005 war die Handelsbilanz für bei Exporten von 1,15 Mio t sowie Zukäufen von 1,11 Mio t noch fast ausgeglichen.
Den Selbstversorgungsgrad sehen die Bonner Marktbeobachter 2010 bei 110 % gegenüber 104 % im jetzt zu Ende gehenden Jahr. AMI-Geschäftsführer Alter erwartet für 2010 gute Absatzchancen für deutsches Schweinefleisch auf dem Weltmarkt. Es bestehe Hoffnung auf eine weltweit anziehende Nachfrage. Impulse könnten vor allem von den lukrativen asiatischen Märkten ausgehen.
Vor dem Hintergrund der steigenden Exportabhängigkeit appellierte Heinrich Dierkes von der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) an die neue Bundesregierung, ihre Bemühungen zur Öffnung neuer Absatzmärkte künftig noch zu intensivieren. „Ein Rückfall in die Lethargie von vor fünf Jahren oder eine grüne Gralssuche bei der Bio-, Öko- und Regionalerzeugung wäre eine volkswirtschaftliche Bankrotterklärung“, betonte der ISN-Vorsitzende. Deutschlands Mäster produzierten hochwertiges Schweinefleisch zu konkurrenzfähigen Preisen, das auf lukrativen Auslandsmärkten gesucht sei, so der ISN-Vorsitzende. Man sei bemüht, jede sich am Weltmarkt ergebende Nachfragelücke zu schließen, verstehe sich dabei aber nicht als Anhängsel der Schlachtbranche, sondern agiere eigenständig am Markt. Dies zeige sich am zunehmenden Umfang der Lebendexporte Richtung Osteuropa. „Es ist sicher nicht optimal, deutsche Schweine zur Schlachtung bis nach Moskau zu transportieren“, räumte der ISN-Vorsitzende ein. Die Lage werde aber nicht dadurch besser, wenn stattdessen Holländer und Dänen ihre Lebendtiere quer durch Deutschland bis nach Russland lieferten. „Wir müssen uns jeden Markt offenhalten, um keine Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren“, so der Apell von Dierkes an die Politik. Der russische Markt sei derzeit sehr aufnahmefähig für Lebendtiere, weil die dort in den letzten Jahren zugebauten Schlachtkapazitäten nicht ausgelastet seien. Allein in diesem Jahr habe Russland einen Importbedarf von mehr als 1 Mio t Schweinefleisch. Langfristiges Ziel der Moskauer Regierung sei aber die vollständige Selbstversorgung der heimischen Bevölkerung. Zudem sei das Exportfenster nach Russland häufig nur sehr kurz geöffnet, da Lieferungen stark von politischen Entscheidungen abhängig seien.
Wie aus dem aktuellen Agrarmarkt-Report der AMI hervorgeht, ist zuletzt vor allem der Verkauf von Schweinefleisch Richtung Osteuropa gut gelaufen. Im ersten Halbjahr 2009 wurden 117 090 t Schweinefleisch in Produktgewicht nach Russland exportiert, rund 30 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Nach Polen gingen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 96 145 t, was einem Zuwachs von ebenfalls 30 % entspricht. Dagegen hat sich der Export von deutschem Schweinefleisch in die westeuropäischen EU-Länder fast quer durch die Bank rückläufig entwickelt. So schrumpfte das Italiengeschäft in der ersten Jahreshälfte 2009 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 5 % auf 142 456 t, die Schweinefleischexporte in die Niederlande um die gleiche Rate auf 141 019 t. Auch in Großbritannien und Frankreich war deutsches Schweinefleisch weniger gefragt: Hier ging es um 5 % auf 78 499 t beziehungsweise 3 % auf 43 137 t nach unten.










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