23 Mio. „Tierliebhaber“ geben 3,3 Mrd. Euro für Ihre Haustiere aus– Kommentar von Friedrich Hake, ISN-Vorstandsmitglied
Die Deutschen sind nicht nur ein Volk von 80 Mio. Fußballtrainernsondern auch ein Volk von über 23 Mio.
Tierschützern.
Für Futter, Spielzeug und um weitere Bedürfnisse ihrer Heimtiere zu befrieden, gaben die Bundesbürger 2007 mehr als 3,3 Mrd. Euro aus. Der Umsatz für Heimtierfutter stieg im Fachhandel sogar um 0,4 Prozent auf 2,47 Mrd. Euro! Am besten verkaufte sich Katzennahrung, dafür wurden insgesamt 1,2 Mrd. Euro investiert, für Zubehör etc. immerhin 859 Mio. Euro, auch da immer noch ein Zuwachs von 1,3 Prozent.
Zusammen werden in Deutschland 23 Mio. Heimtiere, darunter 7,9 Mio. Katzen, 5,3 Mio. Hunde und 3,4 Mio. Ziervögel gehalten.
Im Supermarkt ist der Platz für den Haustierbedarf mittlerweile 3 Mal so groß wie der Platz für Babybedarf. Angesichts der großen Summen, die die Bevölkerung für ihre geliebten Vierbeiner und deren Wohlbefinden ausgeben, sollte man meinen, das Glück der Tiere sei den Bundesbürgern einiges Wert. Außerdem könnte man angesichts dieser Zahlen zu dem Schluss kommen, es gebe ca. 23.000.000 potenzielle Tierschützer in Deutschland. Das ist über ein Viertel der Bevölkerung. Daneben nimmt sich die Zahl der 79.900 Schweinehalter in der Bundesrepublik eher klein aus, oft gescholten von diversen so genannten Tierschutzorganisationen.
Ein Professor Poresky aus Kansas in den USA behauptet, (Heim-) tierhalter seien die besseren Menschen. Das muss man jedoch differenziert betrachten, denn diskutiert man mit einem Katzenhalter, dass in seinem Garten seltene Singvögel brüten, wird sich zeigen wie weit dann noch der Tierschutz reicht. Erst kürzlich monierte der Landestierschutzbeirat beim Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, dass es erhebliche
Defizite in der Heimtierhaltung gibt. Oft werden kleine und preiswerte Nager, Vögel oder exotische Tiere wie Reptilien unüberlegt angeschafft und nicht artgerecht gehalten. Tierärzte und -heime beklagen häufig eine
tierschutzwidrige Unterbringung und mangelhafte Pflegevon Heimtieren.
Der jüngste Skandal der Nabu-Rinder, bei dem bisher 12 Rinder in drei ostfriesischen Naturschutzgebieten aus falscher Tierliebe im Schlamm verendeten, zeigen deutlich, dass es keine Gesetzmäßigkeit ist, dass so genannte
Tierschützerdie nötige Kompetenz für
artgerechte Tierhaltungmitbringen. Man fragt sich sowieso, was sie eigentlich qualifiziert. Liebe zum Tier allein reicht nicht aus. Nicht umsonst gibt es eine Berufsausbildung zum
Tierwirt, indem man seine Tierschutzkompetenz in Prüfungen definitiv nachweisen muss. Fragwürdig ist bei alledem das politische Gewicht bzw. die Bedeutung der NGOs (Nichtregierungsorganisationen).
Allzu oft sind Landwirte Zielscheibe der Angriffe diverser selbst ernannter Tierschützer. Jüngstes Beispiel ist die vom Tierschutzbund initiierte Diskussion um die betäubungslose Ferkelkastration. Als Tierquäler beschimpft, wird eine in der Öffentlichkeit emotionale Diskussion vom Zaun gebrochen, ohne, dass echte Erkenntnisse bezüglich Alternativen vorliegen. Die ISN öffnet sich diesem gesellschaftlichen Diskussionsprozess schon seit langem, allerdings sachlich statt emotional. Wir arbeiten beim EU-Projekt PigCas aktiv mit, bringen uns ein und referieren, wie zuletzt im November in Nordwijk in den Niederlanden. Die Schweinehalter diskutieren im
ISN - Ausschuss für Tierisches Wohlbefindenüber Tierkomfort in der Schweinehaltung.
Landwirte sind die besseren Tierhalter und Tierschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Fragestellung, die nicht beim Nutztierhalter beginnt und vor den Wohnzimmern von Bello und Miezi endet.
Im Bild: Friedrich Hake, Ferkelaufzüchter und Schweinemäster aus Hameln in Niedersachsen, ISN-Vorstandsmitglied










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