16.09.2005 RSS Feed

"21 % Verluste in der dänischen Schweinehaltung: wer trägt die Verantwortung?" - Kommentar von Hans Aarestrup, Danske Svineproducenter

In Dänemark betragen die Verluste in der Schweinehaltung insgesamt derzeit ca. 6,5 Mio. Tiere jährlich, das entspricht 21 Prozent. Die meisten Verluste treten mit 13,7 Prozent nach wie vor bei den Saugferkeln auf. In der Ferkelaufzucht sind es 4,4 und in der Mast 4,5 Prozent. Über diese aktuellen Zahlen sind die dänischen Politiker entsetzt.

Was aber steckt hinter diesen Verlusten?
In Dänemark werden durchschnittlich 12,9 Ferkel pro Wurf lebend geboren. Dies ist einerseits das Ergebnis einer sehr guten Sauenfruchtbarkeit und andererseits eines hervorragenden Herdenmanagements. Um bei diesem Leistungsnieveau kein einziges Ferkel zu verlieren, müssten die Sauenhalter schon übersinnliche Fähigkeiten haben. Immerhin setzten sie durchschnittlich pro Wurf über elf Ferkel ab. Im Ferkelstall und auch in der Mast müssen die Sauenhalter gegen verschiedene Viren ankämpfen. Vor allem PMWS hat in einigen Betrieben in letzter Zeit enorme Probleme verursacht.

Die dänischen Politiker fordern nun Maßnahmen. Wie aber könnten diese aussehen? Natürliche Todesfälle im Schweinestall verbieten? Den Schweden könnte man glatt zutrauen, dass sie so eine Maßnahme verabschieden würden. In Dänemark ist es jedoch wahrscheinlicher, dass unsere Abgeordneten ihr Gehör eher ideologisch verblendeten und fachlich - gelinde gesagt - unwissenden Tierschützern, statt landwirtschaftlich versierten Fachleuten schenken. Denn über die vermeintlichen Tierschützer sind bei der nächsten Wahl insgesamt mehr Stimmen zu ziehen als über ein paar Schweinehalter. Die Empfehlung der Tierschützer wird lauten: Lasst die noch lebenden Schweine frei!

Auf die Idee, dass die hohen Verluste direkt damit zusammenhängen, dass die dänischen Schweinehalter so restriktiv mit Antibiotika umgehen, kommen die Tierschützer natürlich nicht. Leider gibt es zu diesem Thema nur wenige Statistiken. Im Vergleich zu der in den Niederlanden verbrauchten Antibiotikamenge verwenden die dänischen Schweinehalter hiervon nur etwas mehr als ein Drittel! Pro Jahr werden in Dänemark im Durchschnitt nur noch vier Gramm Antibiotika pro Mastschwein verabreicht – inklusive derjenigen für die Sauen.

Die dänischen Schweinehalter haben den Verbrauch von Antibiotika seit 1996 halbiert! Diese Tatsache haben die Politiker einfach vergessen. Was sie indessen wahrnehmen, ist, dass der Verbrauch im letzten Jahr geringfügig um sieben Prozent gestiegen ist. Die massiven Probleme mit PMWS sind eine der Ursachen hierfür gewesen.

Die dänischen Schweinehalter haben über 100 Mio. Euro in das Salmonellenmonitoring gesteckt, um hier Erfolge zu erreichen. Sie haben hart gearbeitet, um alle Anforderungen der Politik an die Schweinehaltung zu erfüllen.

Wir erwarten keinen Dank dafür, aber wir haben darauf gesetzt, dass unsere kooperative Haltung und Mitarbeit insofern honoriert wird, dass sachliche Argumente in der Politik wieder zählen und nicht nur Stimmenfang. Das war naiv…

Hans Aarestrup ist der Geschäftsführer der Interessenvertretung der dänischen Schweinehalter Danske Svineproducenter (DSP) mit Sitz im dänischen Fredericia.


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