29.01.2007 RSS Feed

"2007 - ein gutes Schweinejahr?!" – Kommentar von Andreas Beckhove, ISN-Marktreferent

Der Markt hat Potential, wenn die Politik ihre Hausaufgaben macht! – Veterinärabkommen mit asiatischen Ländern endlich abschließen
Trotz des Preisverfalls am Schlachtschweinemarkt zur Jahreswende können wir das Jahr 2006 aus Erzeugersicht als gutes Jahr bezeichnen. Ein durchschnittlicher Preis von 1,51 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht und eine niedersächsische Ferkelnotierung, die mit 48,31 Euro für 25 kg Ferkel deutlich über dem Schnitt der Vorjahre lag, haben Schweinehalter Gewinne erwirtschaften können.

Doch wie geht’s im noch frischen Jahr 2007 weiter?
Angebotsseitig haben wir für das laufende Jahr innerhalb der EU nichts zu befürchten. Denn der Prognoseausschuss der EU erwartet trotz der guten Preise im vergangenen Jahr für die EU-25 nur einen moderaten Anstieg der Schweineproduktion um etwa 0,9 Prozent. Zu den Gewinnern in der Gemeinschaft wird voraussichtlich auch 2007 Polen mit einem reduzierten aber weiterhin deutlichen Anstieg der Produktion um fünf Prozent zählen. Auch in Deutschland rechnen Fachleute mit einem Anstieg um 1,6 Prozent. Verlierer werden voraussichtlich die Slowakei und Ungarn mit minus 5 Prozent bzw. minus 2,5 Prozent sein. Darüber hinaus geht die Schweinehaltung auch auf der iberischen Halbinsel zurück.

In Bezug auf den Verbrauch wird es in Westeuropa ebenfalls keine großen Überraschungen geben, denn er stagniert seit Jahren. In denjenigen Staaten, die der EU 2004 beigetreten sind, wird die Nachfrage nach Schweinefleisch hingegen weiterhin moderat steigen. Denn mit steigendem Wohlstand steigt auch das Bedürfnis nach höher veredelten Produkten.

Besonders positiv auf den innergemeinschaftlichen Verbrauch wird sich der zum 1. Januar 2007 erfolgte EU-Beitritt Rumäniens und Bulgariens auswirken. Weitere 30 Mio. Einwohner werden den Verbrauch innerhalb der EU deutlich nach oben schrauben. So konnten sich die Einwohner beider Länder im Jahr 2006 nur zu 65 bis 70 Prozent selbst mit Schweinefleisch versorgen. Die dortige Fleisch verarbeitende Industrie wächst aber pro Jahr um bis zu zehn Prozent. Mit dieser Entwicklung kann die inländische Erzeugung nicht mithalten. Allein Rumänien importierte im vergangenen Jahr rund 220.000 Tonnen Schweinefleisch - bereits mehrheitlich aus der EU. Davon stammen ca. 60.000 Tonnen aus den USA, die durch den EU-Beitritt vermutlich durch innergemeinschaftliche Herkünfte ersetzt werden.

Aber auch für 2007 gilt, dass eine nicht unerhebliche Menge an Schweinefleisch am Weltmarkt abgesetzt werden muss. Denn mit Drittlandexporten von ca. 1,4 Mio. Tonnen war die EU im vorigen Jahr am Weltmarkt größter Exporteur für Schweinefleisch. Die Frage, wie gut sich diese überschüssige Ware dort absetzen lässt, entscheidet letztendlich über den Schweinepreis innerhalb der EU und auch in Deutschland.

Der Weltmarkt ist allerdings hart umkämpft. Russland beispielsweise importierte in den vergangenen Monaten wieder mehr Schweinefleisch aus Brasilien. Somit wird für uns Europäer der Export nach Russland wieder schwieriger. Auch in Japan, dem größten Importeur für Schweinefleisch ist die Konkurrenz groß. Hier haben die Dänen ihren Platz als wichtigster Lieferant für Schweinefleisch im vergangenen Jahr an die US-Amerikaner verloren. Eine Teilschuld an dieser Entwicklung trägt sicherlich der schwache Dollar, der die Exporte der US-Amerikaner stärkt. Trotzdem wird die boomende Weltwirtschaft auch 2007 voraussichtlich dafür sorgen, dass der Bedarf an Schweinefleisch weltweit steigt und gute Absatzmöglichkeiten bestehen bleiben.

Hier ist aber auch die Bundesregierung gefragt. Denn oft scheitern Exporte in Drittlandsmärkte an den fehlenden Veterinärabkommen mit den Importländern. So warten deutsche Schlachtunternehmen seit Jahren darauf, dass ein solches Abkommen mit China endlich vereinbart wird. Auf diesem Wachstumsmarkt werden beispielsweise Schweinepfötchen für umgerechnet 2,99 Euro pro Kilogramm gehandelt, während sie bei uns im Supermarkt für 0,39 Euro verkauft werden. Potential ist somit da, es muss nur genutzt werden!

Licht und Schatten halten sich also in etwa die Waage. Vor diesem Hintergrund ist das Preisniveau des Vorjahres durchaus erreichbar. Allerdings hatten wir in 2006 mit der Schweinepest und der Hitzewelle Sondereffekte, die wir im laufenden Jahr nicht einkalkulieren können und auch nicht unbedingt wiederhaben möchten…

Trotz der relativ guten Preisaussichten für das Jahr 2007 ist auf Grund der gestiegenen Energie- und Futterkosten zumindest in der ersten Jahreshälfte mit einer schlechteren Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung zu rechnen. Insbesondere die Futterkosten, die derzeit etwa 10 bis 15 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen, werden zu einem deutlichen Anstieg der Produktionskosten führen.

Einiges spricht dafür, dass sich die Futterkosten auch über die nächste Ernte hinweg auf einem höheren Niveau stabilisieren. Sollte dies so kommen, führt mittelfristig kein Weg an höheren Schweinepreisen vorbei. Denn es gilt immer noch die alte Formel: Hohe Getreidepreise bedeuten hohe Schweinepreise.

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